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Der Kaffee schmeckt lecker …

18. Oktober 2007, | posted by kluelz at 11:59:40 pm | 1 Comment

… heißt die derzeitige Ausstellung in der FAKtory, Blankenheimer Str. 2, zu der es heute im Rahmen der interkulturellen Woche die Vernissage mit Werken von A. Jakimenko, P. Karpinski, B. Tandi, A.-K. Bodendorf, N. Hütten, E. Ginsburg, V. Lietzow und A. Hsin-Tin gab:

Ganz wunderbare und überraschende Malerei, Installation, Objekte und eine Performance mit Törtchen zum Thema gab/gibt es dort zu sehen und hätte ich ein Cafe, einen Coffeeshop oder Kaffeeladen, dann also würde ich in unserer FAKtory mal kräftig einkaufen gehen, um meinen Laden mit den originellen Kaffeekunstwerken aufzupeppen.

Der Kunstkritiker Jürgen Raap gab in einer Einführung einen Überblick über die Geschichte des Kaffees und auch Cafes. (Das Manuskript wird in wenigen Tagen hier ebenfalls einzusehen sein.)

Bei der Performance gelang es gar aus einem Cannon-Fotodrucker-Karton eine Espressomaschine hervorzuzaubern und nach kurzem Studium der Bedienungsanleitung einen wenngleich noch etwas unterextrahierten Cafè zu bereiten, welcher aber immerhin bereits eine Crema zeigte. Und da gibts durchaus Leute, die seit Jaaaaaaahrenden aus einer hyperteuren halbautomatischen Siebträgermaschine nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise sowas wie eine Crema … egal, wenn er denn schmeckt, der Kaffee.

Außerordentlich geschickt gewählt hingegen war der Termin für diese Vernissage, nämlich 1 Tag vor Beginn der Offenen Ateliers, zu denen man sich in Sülz dieses Jahr erst gar nicht anmeldete. Die Werke der angehenden Modeschöpferinnen der freien Kunstakademie gibts dieses Jahr in einer separaten Modeperfomance mit dem bereits vielversprechenden Titel Mokka, Shisha & Habibi und zwar ebenfalls in Sülz, 23. November 20:00 Uhr im Lichthof, wozu es Details sowie weitere Aktivitäten mit Beteiligung der Freien Kunstakademie auf der bald erscheinenden Veranstaltungsübersicht für den November geben wird.

(Per Klick auf eins der angezeigten Fotos gelangen Sie in den Sülz-Klettenberger Fotoblog mit insgesamt 29 Fotos der heutigen Vernissage. Blättern Sie dort wie immer einfach per Klick auf die jeweilige Ansicht.)
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Nachtrag vom 20.10.: Die Einführung von Jürgen Raap gibts nun hier

Comments

One Response to “Der Kaffee schmeckt lecker …”

  1. kluelz
    Oktober 20th, 2007 @ 09:25

    Meine Damen und Herren, liebe Künstlerfreunde,

    ich begrüße Sie recht herzlich zur Ausstellung mit Kathy Bodendorf, Dennis Fischer, Erika Ginsburg, Nick Hütten, Alexander Jakimenko, Peter Karpinski, Anne Schulten.

    Wenn Sie mal einen guten Kaffee trinken wollen, dann kommen sie hierher in die FAKtory oder gehen Sie in die Freie Akademie in der Kowallekstraße, denn dort bekommen Sie von den Dozenten und Studenten immer wieder zu hören: „Der Kaffee schmeckt lecker“.

    So heißt auch diese Ausstellung, die wir heute Abend hier eröffnen. Das ist insofern ein Schlüsselsatz, weil das gemeinsame Kaffeetrinken ein Kommunikationsmittel ist, nicht nur in den Pausen eines Akademiebetriebs.

    Wo früher die Beamten ihren Sechsämtertropfen-Likör in der Schublade hatten und bei Geschäftsbesprechungen mitunter auch ein kleiner Umtrunk zum Ritual gehörte, ist heute Alkohol im Dienst zu solchen beruflichen Anlässen verpönt und auch mit dem Gesundheit-, Fitness- und Wellness-Wahn unserer Tage überhaupt nicht kompatibel.

    Bier macht dick, führt zu einem sogenannten Bierbauch, aber von einem Kaffeebauch hat man noch nie etwas gehört. Und so heißt es nicht mehr, „wir gehen mal einen trinken und besprechen das dann…“, sondern: „Wir treffen uns mal auf eine Tasse Kaffee“.

    Über die kommunikativen Umstände der Frühstückspause haben die Bläck Fööss schon vor über zwanzig Jahren ein wunderschönes Lied gemacht:

    Und dann stonn se en dä Kaffeebud un schödden sich dä Kaffee en dä Kopp…

    „Kaffee“ war bzw. ist also das aktuelle Semesterthema, und das bedeutet natürlich ein großes Spektrum an Reflexions- und Darstellungsmöglichkeiten:

    Man kann versuchen, aus dem Kaffeesatz die Zukunft zu deuten … das Verfahren, bestimmte Formen und Verklumpungen des Kaffeesatzes assoziativ zu deuten ähnelt ein wenig dem Rohrschach-Test in der Psychologie.

    Man kann der Frage nachgehen: Ist Kaffee gesund? Wieviel Kaffee darf man regelmäßig pro Tag trinken, ohne gesundheitliche Schädigungen davon zu tragen?

    Mein früherer Hausarzt jedenfalls meinte, zehn Tassen pro Tag seien zu viel, die Säure im Kaffee ruiniere auf Dauer den Magen.

    Immerhin werden in Deutschland täglich 32 Millionen Tassen Kaffee getrunken, und nicht überall schmeckt er so gut wie hier in der FAKtory.

    Ich lernte in den siebziger Jahren mal einen weitgereisten Diplomaten aus Luxemburg kennen, der mir erzählte, die Deutschen hätten die qualitativ besten Kaffeebohnen, würden aber damit in ihren Cafes den miesesten Kaffee produzieren, einen wirklich guten Kaffee könne man hier zu Lande nur in italienischen Cafes und Restaurants trinken.

    Nun, ich selbst habe in jungen Jahren noch den so genannten Blümchenkaffee kennengelernt, der so hieß, weil er so dünn und so durchsichtig war, daß man das Blümchenmuster auf dem Tassenboden erkennen konnte.

    Das war ein typischer Nachkriegskaffee, wie ihn wohl auch jener luxemburgische Diplomat hier kennengelernt hatte, als echte Kaffeebohnen kaum erschwinglich waren. Noch in den sechziger Jahren tranken meine Eltern nur sonntags richtigen Bohnenkaffee, in der Woche hingegen gab es nur Muckefuck, also Ersatzkaffee aus Getreidemalz.

    Nun, ich nehme an, die Bilder und Objekte hier sind mit echtem Kaffeepulver gemalt und gestaltet worden, oder auch dieses Bodenbild im Sinne des Action Painting als Reflex auf den Kaffee, der immer umkippt.

    Der Kenner fragt sich natürlich: Ist es Kaffeepulver aus der Arabica-Bohne oder aus der Robusta-Bohne?

    Es heißt, die Kaffeebohne stamme ursprünglich aus Äthiopien, dort wachse die Arabica-Bohne, auch Bergkaffee genannt, weil diese Bohne vorzugsweise in großen Höhen, d.h. ab 600 m Höhe wächst.

    Schon im 12. Jh. gab es in Mekka die ersten Kaffeehäuser, doch erst im 15. Jh. breitete sich diese Bohne über die gesamte arabisch-islamische Welt aus, und in Wien wurde Kaffee im 17. Jh. nach der Belagerung durch die Türken eingeführt.

    Das erste westeuropäische Cafe wurde 1647 in Venedig gegründet, kurz darauf gab es auch Cafes in England, und in Wien ab 1683, die bis heute als Inbegriff der Kaffeehauskultur gelten.

    Wenn Sie mal in Wien eine Bestellung aufgeben und einfach nur sagen „Einen Kaffee bitte“, schaut Sie der Kellner nur mitleidig an.

    Wollen Sie einen Espresso, dann verlangen Sie nach einem Schwarzen, auch Mokka genannt. Ein Brauner ist – man ahnt es – ein Schwarzer mit Sahne – und wenn man etwas mehr Sahne nimmt, nennt man dieses Getränk Schale Gold, wegen der helleren goldbraunen Farbe. Ein Verlängerter ist ein Schwarzer oder Brauner mit der doppelten Menge Wasser, und wenn Sie sich in einem Wiener Kaffeehaus nicht blamieren wollen, dann sollten Sie auch wissen, daß eine Melange ein Verlängerter mit heißer Milch ist, so ähnlich wie ein Cappuccino und ein Franziskaner ein Verlängerter mit Schlagsahne, auf österreichisch Schlagobers.

    Der Kapuziner hingegen ist ein kleiner Mokka mit wenigen Tropfen Schlagsahne, so daß der Kaffee genau dasselbe Braun aufweist wie die Kutte der Kapuzinermönche. Der Milchkaffee hingegen besteht aus viel Milch mit wenig Kaffee. Der Einspänner ist ein großer Schwarzer im Glas mit sehr viel Schlagsahne, der Fiaker ist ein Verlängerter mit Schlagobers und Rum, zur Kaisermelange fügt man Eidotter und Cognac hinzu und der Mazzagran ist ein abgekühlter Mokka mit Eiswürfel.

    Und wo ich hier gerade die Würfelzucker-Installation sehe, fällt mir ein, daß es in den Wiener Kaffeehäusern auch noch den Sperbertürken gibt, das ist ein doppelt starker Türkischer Mokka, der mit Würfelzucker aufgebrüht wird.

    Es kann im Leben nichts schaden, wenn man das alles weiß, und man mit seinen Kenntnissen brillieren kann, wenn beim Vernissagen-Small-Talk das Gespräch mal auf die Wiener Kaffeekultur kommt.

    Die Araiba-Bohne hat übrigens einen relativ geringen Koffein-Gehalt, geringer jedenfalls als die Robusta-Bohne.

    Für den Kaffeehandel werden die Bohnensorten gemischt, und Geschmack und Aroma hängen auch nicht von den Bohnen selbst ab, sondern davon, wie man sie röstet.

    Dunkle Röstungen, also schwarze Bohnen, haben immer einen starken und bitteren Geschmack, weil das Öl, das die Milde des Kaffees ausmacht, verbrannt ist.

    Aber ich nehme an, das haben Sie bereits alles bei ihrem Semesterthema eingehend erforscht, und wenn Sie ausrufen: „Der Kaffee schmeckt lecker“, dann gilt dieses Lob vielleicht einer vollen oder mittleren Röstung, die zwar stark schmeckt, aber ohne den bitteren, „verbrannten“ Geschmack.

    In jedem Fall kommt es – neben der Röstung – aber auch auf die Zubereitung an, und noch scheußlicher als der erwähnte deutsche Blümchenkaffee der Nachkriegszeit schmeckt wegen der Zubereitung der englische Kaffee, im Aussehen eher dem Tee ähnelnd, so wie auch die englische Küche insgesamt einen schlechten Ruf hat.

    Es sei vielleicht noch erwähnt, daß in den 600 Kaffeehäusern, die es vor rund 100 Jahren in Wien gab, damals fast nur Männer verkehrten. Oft waren diese Kaffeehäuser auch mit Rauch- und Spielsalons kombiniert.

    Damen traf man hier grundsätzlich nur in männlicher Begleitung an, und in Köln war das um 1900 genauso, wo das 1851 auf der Schildergasse eröffnete Cafe Eigel zu den ältesten Kaffeehäusern der Stadt gehört, in dem sich die Herren zum Zeitungslesen und zum Kartenspiel trafen.

    Erst nach 1920 setze es sich durch, daß dann auch Frauen allein ins Cafe gingen und dort sogar ein „Kaffeekränzchen“ etablierten, wobei heute noch an Sonntagen auch hier in Köln in den plüschigen Traditionscafes beobachtet werden kann, daß ältere Damen dann zwar den Mantel ablegen, den Hut jedoch aufbehalten.

    Aber wo ich gerade das Wort Kaffeekränzchen erwähne – da sind wir wieder bei der kommunikativen Funktion des gemeinsamen Kaffeetrinkens.

    Heute haben sie auch in diesen Traditionscafes vernünftige Kaffeemaschinen, und man bekommt dort einen recht anständigen Kaffee. Das heutige Cafe Eigel in der Brückenstraße rühmt sich sogar einer Espressobar. Vor zwanzig oder dreißig Jahren war das hier in Köln noch anders – damals behaupteten die Kenner, den einzigen guten Cappuccino gäbe es nur auf dem Hohenzollernring im La Strada und sonst nirgendwo, denn nur im La Strada verstünde es der schwule Barkeeper Paul, genannt Paula, die heiße Milch an der Maschine genau so aufzuschäumen wie man dies aus dem Italienurlaub in dortigen Cafes gewöhnt sei.

    So, nun wollen wir uns aber dem Kunst- und Kaffeegenuß hingeben, ich wünsche noch einen schönen Abend und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

    Jürgen Raap, Vernissagenvortrag „Der Kaffee schmeckt lecker!“ am 18.10.2007 in der FAKtory, Blankenheimer Str. 2, Köln-Sülz

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