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Doris Dörrie während der lit.COLOGNESPEZIAL im Brunosaal

13. Oktober 2011, | posted by kluelz at 12:32:53 pm | 2 Comments

Könnte gut sein, dass es demnächst während der lit.COLOGNE still wird auf suelz-koeln.de. Denn ich war gestern im Brunosaal erstmalig auf einer Veranstaltung der lit.COLOGNE und derartig begeistert, dass ich wohl künftig stets mit dabei sein werde und dann wohl keine Zeit mehr für eine Sülzberichterstattung bleibt, es sei denn …

„Ausverkauft!“, hieß es bereits am Eingang zum Brunosaal und in der Tat war der Saal fast den ganzen Abend bis auf den letzten Platz besetzt, fast allerdings nur, weil da des öfteren sogar gruppenweise noch Leute hinzukamen und vereinzelt auch gingen. „Die stehen noch im Stau und kommen später“, hörte ich denn auch eine Dame am AK/Gästelisten-Counter sagen und eine andere: „Man merkte schon beim Verlassen der Straßenbahn, dass es voll werden wird, denn fast alle verließen die Bahn an eben dieser Haltestelle und gingen in Richtung Brunosaal.

Was werde ich wohl berichten können außer „Doris Dörrie was here“ fragte ich mich ein wenig besorgt bei der Anfahrt, doch dann war es einfach nur spannend, sehr unterhaltsam, lustig und auch wahr. Und das lag nicht nur an der überaus lockeren und kompetenten Moderation von Randi Crott – was gäbe ich dafür, wenn ich solche Interviews hinbekäme? – sondern natürlich auch an den Geschichten die uns Doris Dörrie erzählte sowie vorlas. Letzteres aus ihrem neuen Buch: „Alles Inklusive“.

Doris Dörrie mit Randi Crott während der lit.COLOGNESPEZIAL im Brunosaal

In diesem geht es um Apple – Tochter des Hippies Ingrid, die sich stets die falschen Männer aussucht. „Sie hätte auch River heißen können“, so Doris Dörrie auf die Frage nach dem Namen. „Hippies hatten diese Vorliebe zu naturnahen Namen.“ Aber zunächst ging es erst einmal um Doris Dörries blaue Ohrringe. „Die trage ich immer, weil ich viel zu faul bin, da auch mal zu wechseln.“ Ich wüsste auch nicht, dass man sie je ohne diese blauen Ohrringe sah und ihre Socken stellten diesmal gar eine farbliche Verbindung zwischen dem braunen Anzug und den Ohrringen her. Und nach einem Blick ins vorwiegend weibliche Publikum: „Lesende Männer sollten wir bald persönlich begrüßen können“.

Schreiben, lesen und filmen sei ja eigentlich dasselbe, behauptete Doris Dörrie anfänglich kühn, denn sie fange immer mit Prosa an, um ihre Figuren im Detail zu begreifen und es sei nicht immer sofort klar, ob sie nun ein Buch oder einen Film beginne. Beim Lesen hingegen entwickele ja eh jeder seinen persönlichen Film aus dem Gelesenen. Und da ja immer alles nur im bestimmtesten Fall gilt, wurden sodann auch zu den zum Buch passenden Themen wie Glück, Liebe, Erziehung und Komik die natürlich vorhandenen Unterschiede diskutiert. Beim Schreiben könne man ja den ein oder anderen Aspekt einfach weglassen, Filmen sei vor allem teurer und in der späteren Betreuung beträchtlich aufwendiger.

Allein an den vielen Lebenshilfebüchlein könne man ermessen, dass wir wohl alle wie Apple, ständig auf der Suche nach Glück seien. Wieso betonen wir nur alle immer das was uns fehlt, statt mit dem zufrieden zu sein, was wir haben, so Randi Crott an Doris Dörrie. Und wir müssen uns aber wohl verändern und bewegen, wenn wir denn glücklicher sein wollten. Es sei vielmehr eine überaus gute Idee, einfach mal sitzen zu bleiben, so Doris Dörrie. Auch sei Liebe heute eher nicht mehr der Kitt, der in der Lage ist eine Beziehung lebenslänglich zusammenzuhalten, sondern eher eine schöne Zugabe. Die Frauen seien heute nicht mehr darauf angewiesen, in ihren Beziehungen zu verbleiben um sozial versorgt zu sein. Und das mit der Erziehung sei wohl immer falsch. Zu gedrillt, zu behütet, zu antiautoritär, wie in Apples Fall und die heutigen Kids würden ihren Eltern später wohl vorwerfen, dass sie ja immer hingeschaut hätten.

Beim Filmen mache sie sich gern zum Affen, so Doris Dörrie und das sei besonders in Japan leicht, da man sich dort als Fremde eigentlich immer falsch benehme, was sich sogar mit zunehmenden Kenntnissen eher noch steigere und die Japaner dazu verleite ihre Förmlichkeiten zu vergessen. Beim Schreiben ginge das natürlich nicht. Und nein, amerikanische Geschichten könne sie trotz guter Kenntnisse der englischen Sprache nicht erzählen, auf die Frage, wieso sie nicht in Hollywood arbeite. Man muss tiefer drin sein im jeweiligen Erfahrungsbereich um auch damit spielen zu können. Sie wolle Erwachsenenfilme machen, wobei sich dieser Begriff im Laufe der Jahre verändert habe. Früher habe man damit Pornos gemeint, heute Filme, in denen es um was geht.

Sehr lustig waren auch Doris Dörries Schilderungen über die japanischen Kirschblütenbeschauer. Diese würden tatsächlich um die Zeit, da sich die Blüten in etwa öffneten täglich und stündlich berichten und ihre Prognosen abgeben, wann es denn nun wirklich soweit sein werde. Einer hätte sich hierbei einmal hundertmal im Fernsehen entschuldigen müssen, da es dann doch noch zwei Wochen gedauert habe, während alle Touristen zur Kirschblüte bereits angereist seien. Auch während ihres Films „Kirschblüten – Hanami“ sei es dann letztlich erst in den letzten beiden Tagen zur Kirschblüte gekommen und man habe dann schnell alle Kirschblütenszenen abgedreht.

Eine der komischten Geschichten im neuen Buch ist hingegen wohl die, in dem Apples Mops — getreu nach Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist zwar möglich, aber sinnlos“ – beide Hüftgelenke erneuert wurden , womit sich die „Ich bin nun mal nicht materialistisch“-Apple finanziell vollständig ruinierte, um dabei im spanischen Swimmingpool , in den er fiel zu verenden, da er ob des Gipses nicht schwimmen konnte und dann aber während einer allen zunächst erfolglos scheinenden never ending Mund zu Mund Beatmung doch wieder zum Leben erweckt werden konnte.

Gleichwohl sie mit Opernkritikern wohl auf dem Kriegsfuß stünde, würde sie auch weiterhin Opern inszenieren, denn es interessiere sie nicht, was Opernkritiker an einer Operninszenierung wichtig fänden, sie wolle vor allem die Musik mit Bildern versehen, welche die Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis mache.

Nora Ruland – Buchhandlung Olitzky – lässt sich 2 Bücher von Doris Dörrie signieren

Nachdem sich die Schlange beim Signieren nach einer halben Stunde lichtete, sorgte Nora Ruland noch für zwei Eintragungen Doris Dörries in den von Frau Ruland mitgebrachten Exemplaren, davon ging das eine sogleich an? Genau, suelz-koeln.de.

Herzlichen Dank an Doris Dörrie, Randi Crott sowie die lit.COLOGNE für diesen Abend im Brunosaal. Und ja, es sei denn, meinte ich Eingangs, es sei denn der Brunosaal wird künftig ständiger Ort für die ein oder andere Veranstaltung während der lit.COLOGNE, was ich überaus passend fände.

(Per Klick auf die in diesem Beitrag gezeigten Fotos gelangen Sie in den Sülz-Klettenberger Fotoblog mit insgesamt 5 Ansichten vom gestrigen Abend. Blättern Sie dort wie gewohnt einfach per Klick auf Frau Dörrie.)

Comments

2 Responses to “Doris Dörrie während der lit.COLOGNESPEZIAL im Brunosaal”

  1. Brunosaal auch 2012 Austragungsort der lit.Cologne - suelz-koeln.de
    Dezember 29th, 2011 @ 14:40

    […] der lit.Cologne zur Buchmesse erstmalig zu den Austragungsorten der lit.Cologne gehörte – suelz-koeln.de berichtete — wird es auch im kommenden März die folgenden Veranstaltungen der lit.Cologne im Brunosaal […]

  2. Jahresrückblick 2011 - suelz-koeln.de
    Dezember 29th, 2011 @ 23:00

    […] Der Brunosaal wird erstmals während des Specials der lit.Cologne zur Buchmesse Veranstaltungsort der lit.Cologne: Doris Dörrie während der lit.COLOGNESPEZIAL im Brunosaal […]

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