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Eine unbekannte Größe im Veedel: die IG Dienstagszug

5. Mai 2015, | posted by at 5:56:24 pm | 1 Comment

Jeder kennt ihn im Stadtteil und die meisten lieben ihn: den Sülzer Veedelszooch am Karnevalsdienstag. Beinahe vier Stunden windet er sich durch die Straßen – mittlerweile kommen auch Leute aus anderen Vierteln zum Zuschauen, weil er so bunt, vielfältig und gut gelaunt ist. Doch wer steckt hinter diesem Zug. Wer macht sich Jahr für Jahr die Arbeit, einen Zug mit etwa 3000 Teilnehmern, davon 2000 Kinder, zu organisieren und für die notwendigen Finanzen zu sorgen? Es ist die Interessengemeinschaft Sülz-Klettenberg-Lindenthal Veedelzooch e. V., kurz IG Dienstagszug genannt. Sie organisiert nicht nur den Zug am Dienstag, sondern auch den Karnevalsauftakt an Weiberfastnacht auf dem Nikolausplatz. suelz-koeln.de hat mit zwei Vertretern gesprochen.

Roland Böhm ist der Geschäftsführer der IG Dienstagszug und das schon seit zehn Jahren. Der 55-jährige Verwaltungsfachangestellte beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist eher zufällig zu diesem Ehrenamt gekommen. Als engagierter Vater hat er an der Schule Manderscheider Platz die Initiative unterstützt, beim Dienstagszug mitzugehen. Er hat Rudi Brühl, den langjährigen Vorsitzenden der IG Dienstagszug, bei der Organisation der Schulen unterstützt und dann 2005 die Geschäftsführung der IG übernommen. Die ganze Familie von Roland Böhm ist Mitglied im Spielmannszug „Sölzer Pirate“, der immer im Dienstagszug mitgeht.

Geschäftsführer Roland Böhm (rechts) mit Sohn Pascal Böhm (links) im Gespräch
mit suelz-koeln.de

Sein Sohn, Pascal Böhm, ist Student und ebenfalls Verwaltungsfachangestellter und von früher Kindheit durch seine Familie karnevalsinfiziert. Der 24-Jährige ist in Sülz sowohl mit der Schule Manderscheider Platz als auch mit der Theodor-Heuss-Realschule im Zug mitgegangen. Erst auf dem Schillergymnasium ließ die Begeisterung für kurze Zeit nach. Dann hat er mitbekommen, dass sein Vater nach neuen Kräften für die Organisation Ausschau hielt. Gemeinsam mit seinem Freund Christian Süper, dem Enkel von Hans Süper, unterstützt er seit drei Jahren die IG Dienstagszug. Er will sich im Sommer zur Wahl als 1. Vorsitzender stellen, weil Rudi Brühl dann nicht mehr kandidieren wird.

Seit über 60 Jahren geht der Dienstagszug

Gegründet wurde die IG Dienstagszug 1953 von den Karnevalsvereinen aus den Veedeln. Noch heute bilden traditionsreiche Vereine wie die Sölzer Familisch, die Große Sülz-Klettenberger oder Kölle bliev Kölle, die Kölschen Ulanen und sogar der Südstadtverein Alt Severin einen wichtigen Teil der Interessengemeinschaft. Hinzu kommen Stammtische, wie der der Damen von „E Büttche Bunt“ oder der Kegelclub Rüdiger und die Sportgemeinschaft Thie.

Schnappschuss vom Veedelszoch 2014

Schnappschuss vom Veedelszoch 2013

Schnappschuss vom Veedelszoch 2012

Schnappschuss vom Veedelszoch 2011

Schnappschuss vom Veedelszoch 2010

Richtig groß geworden ist die IG Dienstagszug dann durch die Beteiligung der Schulen, die in den letzten 20 Jahren stark zugenommen hat. Neun Grund- und Realschulen sowie zwei Gymnasien sind mittlerweile Mitglied. „Das bringt schon mal von einer Schule etwa 350 bis 400 Teilnehmer“, erläutert Roland Böhm, „das macht den Zug natürlich größer und bunter.“ Außerdem sind da noch zwei Kindertagesstätten, die KiTa St. Nikolaus und die KiTa Sülz, die ebenfalls zu den ständigen Mitgliedern in der IG zählen.

Mitglieder und Zugteilnehmer erwünscht

Weitere Mitglieder sind durchaus erwünscht und die Hürden sind nicht hoch. Es braucht einen verantwortlichen Ansprechpartner und kostet einen Beitrag von 55 Euro im Jahr. Ein fünfköpfiger Vorstand bestehend aus 1. und 2. Vorsitzendem, dem Geschäftsführer, dem Kassenwart Armin Hettmer und dem Schriftführer Alexander Tillmann ist für die gesamte Organisation des gemeinnützigen Vereins verantwortlich. „Allerdings haben wir auch viele ehrenamtliche Helfer“, betont Roland Böhm, „anders wäre das auch nicht zu schaffen.“

Darüber hinaus gibt es jedes Jahr noch Zugteilnehmer, die nur einmal mitgehen wollen, weil sie ein Geschäftsjubiläum haben. Oder ab und zu, wenn sie Zeit finden, wie etwa vor einigen Jahren die Sülzer A-cappella-Gruppe Wise Guys, deren Wagen für viel Stimmung sorgte. „Jeder kann mitgehen“, betont Roland Böhm. Voraussetzung für eine Beteiligung ist die rechtzeitige Anmeldung und die Überweisung des Beitrags, denn alle, die keine Schulen sind, muss die IG Dienstagszug versichern. Außerdem müssen für die eigene Gruppe Ordner gestellt werden.

Geschäftsführer Roland Böhm (rechts) mit Sohn Pascal Böhm (links) im Gespräch
mit suelz-koeln.de

Pascal Böhm, der potenzielle Nachfolger von Rudi Brühl, wünscht sich auch die Beteiligung der Kirchengemeinden oder der Hochschulgemeinde am Zug. „Früher haben die alle mal mitgemacht – das war toll – und überhaupt gibt es ja viele Vereine hier bei uns, die mal mitgehen könnten.“

Mehr Geld für Musik im Zug wär schön

Der finanzielle Aufwand für eine Beteiligung am Veedelszooch hält sich in Grenzen. Pro Gruppe, die nicht Mitglied in der IG Dienstagszug ist, müssen 80 Euro Grundgebühr und pro Erwachsenen sieben Euro und pro Kind 4 Euro bezahlt werden. Alles Weitere, wie Kosten für Kostüme, Wurfmaterial oder gar einen Wagen, sind Sache der jeweiligen Gruppe. Mit den Gebühren bezahlt die IG Dienstagszooch alle anfallenden Kosten. „5.000 Euro sind schon fällig, bevor der Zug überhaupt einen Schritt gegangen ist“, beschreibt Geschäftsführer Böhm die Größenordnung. „Die brauchen wir hauptsächlich für die Bezahlung der zahlreichen Absperrungen für die Straßen, durch die der Zug geht. Außerdem natürlich für die Musikkapellen, denn wir wollen ja auch genug Musik im Zug haben“. Geld für den Dienstagzug, besonders für die Musik (pro Kapelle etwa 800 bis 1000 €), versuchen wir auch durch den Verkauf von Anstecknadeln, sogenannten Pins zu bekommen“, ergänzt Pascal Böhm. „Wir verkaufen sie in den Sülzer Geschäften, da würden wir uns noch mehr Kauffreude der Veedelsbewohner wünschen.“

Das Dreigestirn kommt jedes Jahr

Denn auch der beliebte Karnevalsauftakt auf dem Nikolausplatz kostet Geld. Auch wenn die Bierbude und der Würstchenstand von den Veedelsvereinen ehrenamtlich auf- und abgebaut und betrieben werden, für das Engagement der dort auftretenden Gruppen, Sänger und Redner braucht es eine Agentur. Und die Künstler erhalten eine Gage. Umsonst kommt jedes Jahr das Dreigestirn.

Die Prinzengarde während der Eröffnung des Straßenkarnevals auf dem Nikolausplatz, Archivbild vom 27.2.2014

Roland Böhm verrät auch, wie das gelingt: „Unser Mitglied, die große Karnevalsgesellschaft Kölle bliev Kölle, ist Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval – dadurch hat das Dreigestirn uns jedes Jahr um 12 Uhr auf dem Plan“.

Gern bindet die IG auch Akteure aus dem Veedel in das Bühnenprogramm des Karnevalsauftakts ein und freut sich jedes Mal, wenn sich jemand dafür meldet. Besonderer Dank gilt auch der Gemeinde St. Nikolaus, die den Platz, Strom, Wasser, Räume und diverse Gerätschaften kostenlos zur Verfügung stellt.

Eröffnung des Straßenkarnevals auf dem Nikolausplatz, Archivbild vom 27.2.2014

Außerdem unterstützt die ISK, die Vereinigung der Sülz-Klettenberger Geschäftsleute, einige Geschäftsleute und andere Sponsoren die Veranstaltung mit einem finanziellen Beitrag.

Vom Engagement weniger Menschen profitiert der gesamte Stadtteil

Dass alles jedes Jahr so gut klappt, verdanken Sülz, Klettenberg und Lindenthal einigen wenigen Aktiven der IG Dienstagszug. Sie treffen sich regelmäßig drei Mal im Jahr, einmal zur Jahreshauptversammlung und zweimal zur Zugbesprechung. Alles andere wird in Kleingruppen besprochen oder per Mail und Telefon organisiert. Nur bei besonderem Gesprächsbedarf, wie zurzeit, in der der Vorstand umstrukturiert und langfristig jüngere Leute einbinden will, wird sich häufiger getroffen. Im September beginnen schon die Vorbereitungen mit Schreiben an die Stadt Köln, die Abfallwirtschaftsbetriebe und die Sanitätsdienste. Nach dem 11.11. schreibt der Vorstand dann die Mitglieder und die potenziellen Teilnehmer an. Nach der Anmeldung bis 30.12. werden dann Aufstellpläne entworfen und abgestimmt, Informationen an die Teilnehmer geschickt, mit der Polizeiwache in der Rhöndorfer Straße konferiert und… und… und… Hierbei ist weitere Unterstützung durchaus erwünscht, wie Roland Böhm deutlich macht.

Nur so ist es möglich die Kosten niedrig zu halten für ein so tolles Ergebnis: an Weiberfastnacht ein vierstündiger Karnevalsauftakt mit Auftritt des Dreigestirns und am Dienstag ein vier- bis fünfstündiger bunter Veedelszooch mit mehreren Tausend Teilnehmern, der sich zur Freude der Zuschauer auch aus anderen Stadtteilen durch die engen Straßen in Sülz schlängelt. Ein Hoch auf die Menschen im Veedel, die das möglich machen!

Dorothee Mennicken, KLARTEXT

Mitgehen im Veedelszooch

Wer mitgehen will, kann sich anmelden, Fragen stellen oder Informationen bekommen unter der
E-Mail-Adresse idoetzchen@netcologne.de
oder der Faxnummer 823 75 85

Teilnahmegebühr:
80 € pro Gruppe + 7 € pro Erwachsene und 4 € pro Kind

Nachtrag 3. Juni: Über die Vorstandswahlen der IG Dienstagszug am 1. Juni

Comments

One Response to “Eine unbekannte Größe im Veedel: die IG Dienstagszug”

  1. IG Dienstagsveedelszoch Sülz-Klettenberg-Lindenthal e.V. gegr. 1953: Vorstandswahlen - suelz-koeln.de
    Juni 3rd, 2015 @ 07:17

    […] (siehe auch: Eine unbekannte Größe im Veedel: die IG Dienstagszug) […]

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